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Jul 1, 2002

1. Nationales Steelband Festival Bern 1987 - Felix Rohner


Blick in die Werkstatt eines Pan Bauers
Felix RohnerFelix Rohner begann bereits 1976 Fässer zu bearbeiten. Seit 1985 ist er hauptberuflich Pan Hersteller und Tuner. Er ist Mitgründer der Berner Oelgesellschaft, und für das Zustandekommen aller Berner Steelbands, insbesondere der Kinder Steelbands verantwortlich.

Noch gibt es keine Bibliothek, in der ein Buch steht "Die Steeldrum" oder ein Musikladen, in dessen Schaufenster eine Steeldrum Schule angeboten wird. Das Steeldrum ist ein junges Instrument, eben gerade der Pubertät entwachsen. Die wenigen Steeldrumbauer sind geografisch weit zerstreut, so dass ein Erfahrungsaustausch selten möglich ist. Die alten Meister, die in den Anfangszeiten des Pans schon gebaut haben, leben in Amerika oder Trinidad.

So habe ich vor einem Jahrzehnt mit Freunden einfach mal begonnen: Einfach deshalb, weil es einfach war, einen Hammer in die Hände zu nehmen und einen Fassboden in die Tiefe zu zwingen. Handwerker und Studierte aller Richtungen haben mir auf dem beschwerlichen Weg zu meinem ersten wohlgestimmten Quintenzirkelpan immer neue Ansätze aufgezeigt. Oft waren es Irrwege, die aber immer neue Erkenntnisse brachten. Julius Paganini vom Klösterlistutz hat mir vor acht Jahren einen uralten Treibhammer geliehen, ein Einzelstück, eben gerade der Richtige...

Ich will hier nicht eine Anleitung geben, wie man ein Steeldrum bauen soll, sondern Einblick gewähren in die meiner Ansicht nach wichtigen Fragen, die einen Panbauer beschäftigen.

Fässer, Barrels, Futs, Bidoni...

Felix am Drum Sinken

Ein Fass kann man mit zwei Armen gut fassen, so dass der Rücken nicht einknickt, und mit den Füssen stösst man es bequem vor sich her: Eine clevere Erfindung des Industriezeitalters, überall auf dem Erdball zu sichten. Je nachdem, wofür es gebaut wird, erhält es eine andere Form. Fässer mit dickerem Blech haben meist zwei Verstärkungsringe in ihrem Mantel, Fässer aus Blech mit 0,8mm Dicke deren viele. Im Deckel oder Boden sind die nötigen Informationen eingeprägt, die Normierung wird weltweit angestrebt. Für den Panbauer sind diese Informationen wichtig, kann er doch aus Alter, Inhalt, und Herstellungslandangaben seine Vermutungen anstellen über die Tauglichkeit eines solchen Gefässes zur Herstellung eines Pans. Durch Probeschläge kann er die Spannung und Härte des Bleches abschätzen und durch genaues Beschauen allfällige Rostlöcher oder Fabrikationsfehler erkennen.

Die chemische Zusammensetzung des Bleches ist ein entscheidender Faktor, aber eben gerade derjenige, der am schwierigsten zu kontrollieren ist. Fässer der gleichen Firma, der gleichen Serie können ganz unterschiedliche Qualität haben. So gibt es Bauer, die ihre Fässer herstellen lassen, um besser zu wissen, welches Material sie in die Hände nehmen.

Schlag für Schlag

Zukünftige Steelpans in der Fabrikationshalle

Das Absenken des einwandfreien Fassbodens bedeutet schwere Arbeit. Das Blech lässt sich nicht vergewaltigen. Tausende von Schlägen, anfänglich mit schwerem 3-5 Kilo-Hammer ausgeführt, müssen regelmässig nebeneinander gesetzt werden, so dass sich das Blech regelmässig dehnen kann. Dies erweiterte Oberfläche gestattet mehr Töne und ergibt bessere Klangqualität. Die zunehmende Verdünnung des Bleches erfordert den Wechsel auf leichtere Hämmer. Die anfänglich grob eingezeichnete Tonfelderanordnung sorgt dafür, dass der Bauer von Anfang an seine Treibarbeit im Hinblick auf das gewünschte Pan kontrolliert. So erspart er sich die Umformung von missgestalteten Tonflächen. Wird das Blech hart und droht zu reissen (Solopans werden auf 17-20cm getrieben!), kann durch Weichglühen der Oberfläche das Material entspannt werden. Die Treibarbeit, die sich über etliche Stunden hinzieht, braucht Geduld und Gespür. Es gehört zu den traurigen Momenten, wenn dem Bauer die Pfanne reisst....

Gewisse Anordnungen der Töne haben sich bewährt. Die Invaderanordnung mit seinem typischen Ping-Pong-Spielcharakter stammt aus den Anfängen und wird von Spielern geschätzt, die den Invaderklang und die spezielle Spieldynamik (spiralenförmiges Leiterspiel) schätzen. Er klingt selten spitzig wie die Quintenzirkelanordnung. Das Quintenzirkelpan ist gut stimmbar und gehört zu den häufigst Gespielten. Die Oktave vor dem Grundton ergibt einen hellen, oft grellen Ton. Die Bewegungen laufen dem Pfannenrand entlang und erfordern eine andere Spieltechnik.

Im weiteren taucht der "Despers" auf: Ein Zwischending zwischen Invader und Quintenzirkelpan, wovon er die Oktavierung genommen hat.

Viele andere Anordnungen sind in den Bands zu finden, doch scheint die Weiterentwicklung über das Quintenfass zu gehen, da der Klang der Töne homogener herzubringen ist.

Mittels Schablonen und Zirkel wird die gewünschte Tonanordnung auf das Blech geritzt und die Töne benannt.

Ich unterteile die Töne mit einem Durchschlag, mit dem ich rund um die Tonfläche eine Verdünnung des Materials erreiche. Dieses "Grooving" (Graben) dient mir aber auch als Orientierung bei der Bearbeitung der Tonlandschaft. Andere Bauer ziehen einen tiefen Graben um den Ton oder lassen das Grooving ganz sein (diese Bauart hat sich aber noch nicht bewährt, da das Stimmen wesentlich schwieriger ist, wenn die Tonflächengrenzen nicht sichtbar sind). Bei Instrumenten der tiefen Lage finden sich oft Groovings der doppelten Breite. Damit kann das Ueberspringen der Schwingungen auf einen anderen Ton (d.h. das Anregen eines Nachbartones) vermindert werden.

Der Ton im Blech
Jeder Bauer findet seine Tonformen, denen er optimale Stabilität und Klangfarbe verleihen kann. Ovale Töne sind reicher an Klangfarbe als runde. Wo, dass die beiden Formen auftauchen, hängt stark von der Krümmung des Bauches und des zur Verfügung stehenden Platzes ab. Die eckigen Formen finden sich vor allem in Double Lead und Double Bariton Pans. Damit lassen sich Dreckschwingungen besser eliminieren, da ein Zwischenraum zwei Töne trennt. Die verschiedenen Tonformen sind unterschiedlich stimmbar. Die runden Töne machen mir am meisten Mühe, da die Tonfläche auf einer Ebene liegen muss.

Ueber Kurz oder Lang
Einen Teil des zylindrischen Mantel des Oelfasses brauchen wir, um der Steeldrum mehr Resonanz zu verleihen. Der Mantel schwingt mit und gibt seine Schwingungen rundum der Luft weiter.

Je tiefer die Stimmlage, desto länger der Mantel. Die Längen variieren bei den verschiedenen Bauern stark. Sie hängen zum Teil sicher auch mit der Funktion der Pan zusammen. Round-the-neck Pans sollten ja nicht allzu schwer sein... Wird der Mantel eines Pans irgenwie beim freien Schwingen behindert, ist eine deutliche Einbusse an Klangkraft festzustellen. Riemen, die den Fassrand abdecken, stabilisieren den Mantel unnötig. Die Versteifungsringe der Baritone hingegen dienen vor allem der Stabilität des ganzen Pans. Farbaufstriche oder Kleber dürften allerdings kaum den Klang beeinträchtigen.

Bei den Einer-Bässen wird der Mantel in der Hälfte abgeschnitten. Ein eingesetzter Boden verleiht dem Instrument zusätzliche Resonanz. Die Schwingungen des Bodens aktivieren die Tonfläche (Rückkopplung), sodass diese Bässe oft verschwommen klingen.

Sweet gestimmt

Fine tuning einer Steelpan

Die Arbeit des Klangbildhauers ist schwer in Worte zu fassen, handelt es sich doch darum, die Tonfläche, die noch kaum klingt mit dem Stimmhammer (ich brauche dazu einen alten Sattlerhammer, auch er von Julius Paganinis Hammersammlung. Danke) so zu bearbeiten, dass einerseits der gewünschte Klang entsteht, andererseits unerwünschte Schwingungen eliminiert werden. Die Tonlandschaft, die vor mir liegt, hat eine bestimmte Grösse. Sie wird in einem Tonumfang von 2 bis 3 Halbtönen gut zum Schwingen gebracht werden können. Dabei muss ich auch darauf achten, dass der Ton stabile Formen aufweist, sonst verreist er nach wenigen Schlägen des Spielers. Jeder Pan Bauer hat seine eigene Art, diese Landschaft zu gestalten. Bei den ovalen Tonformen lassen sich zwei Obertöne gut einstimmen, während bei den runden die Oktave eingestimmt wird. Durch die Obertonstimmung kommt der Ton erst ins Schwingen. Mit dem Strobo Tuner lassen sich die Schwingungen des Tones mit seinem ersten Oberton, der Oktave gut sichtbar machen. Bei dieser Arbeit trage ich Kopfhörer, um die Intensität des Lärmes herabzusetzen. Nach jedem Hammerschlag kontrolliere ich mit einem Stick den Klang.

Zeigt es sich, dass das Blech schlechte Klangeigenschaften hat, kann ich das Pan mit Wärme behandeln. Mit dem Gasbrenner oder über dem Feuer kann das Blech mannigfaltig behandelt werden. Da sich Eisen unter Hitze dehnt und beim Abkühlen wieder zusammen zieht, kann so die Spannkraft der Tonfläche manipuliert werden. Dies sind jedoch komplexe Vorgänge, an deren Problematik sich schon etliche Wissenschaftler den Kopf zerbrochen haben. Hier liegen die kleinen Geheimnisse des Pan Bauers. Jedenfalls klingt kein Pan wie das andere und das kann ja so bleiben...

Ob ein Oberton gestimmt ist, lässt sich prüfen, indem man mit dem Stick die Tonflächengrenze rundum abklopft. Lässt sich die Oktave deutlich vernehmen, oder gar die Quinte, Quarte oder Sext, dann klingt der Ton bestimmt gut.

Rostkost
Eisen ist ein labiles Element. Der Rost frisst in windeseile das dünne, knackige Eisen, vom Schweiss des Spielers unterstützt. Dicke Farbe auf dem Pan nimmt Obertöne weg, das Stimmen mit dem Hammer hinterlässt Spuren. Ein gutes Pan, so scheint mir, darf ruhig blutt sein. Gut eingerieben mit einer Mischung aus Leinöl und Terpentinöl oder überzogen mit einem Hauch farblosen Lackes wird es nicht rosten.

Das Bad im Nickel oder Chrom kann dem Pan eine hellere Klangfarbe geben, da diese Behandlung zu einer härteren Oberfläche führt, und somit hohe Schwingungen hervortreten. Diese Behandlung kann mit jedem Pan vorgenommen werden. Kosten Fr. 50.- bis 100.-. Ein vernickeltes oder verchromtes Pan macht punkto Erosion keine Sorgen mehr.

(P)Anschlag
Zu jedem Pan gehören die entsprechenden Schläger. Ob aus Holz, Alu oder Kunststoff, sie müssen zum Spieler aber auch zum Pan passen. Zu harte Schläger sind wie Hammerschläge, da muss der Stimmer ständig kommen. Allzu weiche Schläger holen möglicherweise nicht alle Qualitäten des Pans hervor. Trotzdem, solange noch so wenig Tuner unterwegs sind, ist es ratsam, Sticks mit Schaumgummiköpfen zu benutzen. Das Problem, dass die tiefen Töne gut, die hohen schlecht ansprechen, wird wohl weiter bestehen.

(anm. PJ: im Programm hat es hier Bilder von Klangspektren mit Erklärungen)

Der Tuner ist bestrebt, möglichst reine Klänge einzustimmen. Ein Steeldrumklang ist aber von Natur her mit einem Quantum Geräusche verbunden. Der Grund liegt darin, dass beim Anschlag die ganze Trommel und Teile davon (vor allem danebenliegende Töne und die Zwischenteile) in Schwingung versetzt werden. Durch gezielte Anordnung der Töne lassen sich diese Dreckfrequenzen jedoch eindämmen. Je dünner das Blech, je klarer wird die Klangqualität. Spitzenpans fallen fast auseinander, ihr Blech ist so dünn getrieben, dass die Töne leicht ansprechen, aber auch leicht verstimmen, sollte der Spieler mal kräftig zuschlagen. Die Kunst dürfte darin liegen, die Pans bewusst anzuschlagen, den Klang hervorzulocken (Calypso heisst übrigens zu Deutsch Schleier). Ob Steelpanspiel etwas mit Schleierlüften zu tun hat?

Es ist für den Gesamtklang einer Band wünschenswert, Instrumente der gleichen Klangfarbe einzusetzen. Oft überdecken einzelne Instrumente der hellen Klasse die reichen, farbigen Klänge der Bariton-Pans, oder der Bass wird degradiert zum reinen Rhythmusinstrument. In diesen Fragen sind wir in der Schweiz erst am Anfang. In weiten Teilen hat sich die Steelmusik in die Guggen Tradition eingebettet, und droht dort gefangen zu werden. Der Steelklang ist nicht exotisch, er spricht im Gegenteil in uns etwas an, was schon da ist. Dass sogar Kühe von weit her springen, wenn sich eine Steelband hinter dem Festzelt einspielt, zeigt, dass die Klänge irgendwie vertraut sind. Ich hoffe nur, dass es keine Behörden mehr gibt, die sich mit Scheinargumenten in die Quere stellen, wenn eine Gasse wieder einmal mit Steelklängen beschallt werden möchte...


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