PAN-JUMBIE

SHMF: Bach und Karibisches im gleichen Konzert

DE – Das war schon ein gewagtes Projekt: Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) hatte die beste Steelband des Inselstaates Trinidad und Tobago eingeladen und angefragt, ob sie neben karibischem Calypso auch Bach spielen könnten. Die Antwort hieß: Machen wir. Erste Hälfte also Johann Sebastian Bach, nach der Pause Typisches aus der fernen Heimat. Der Saal im Maritim Seehotel von Timmendorfer Strand war gedrängt voll, die Stimmung bestens.

Ungewöhnliches Instrumentarium füllte die Bühne: rechts riesige weiße Fässer, in der Mitte die unterschiedlich großen Stahltrommeln. Schon optisch begann die erste Hälfte mit einer Überraschung. Die Musiker aus dem Zwei-Insel-Staat erschienen superseriös in dunklen Anzügen, die Damen im schwarzen Abendkleid. Die Herren trugen Krawatte, ihr Chef Desmond Waithe eine Fliege. Desmond Waithe hatte Noten mitgebracht und dirigierte die Einsätze seiner konzentriert mitgehenden Truppe wie ein normaler Orchesterchef.

Natürlich hatten Waithe oder seine Arrangeure bekannte Stücke von Johann Sebastian Bach ausgesucht, um sie für den hohen oder tiefen Stahlklang zu bearbeiten. Zum Beispiel das Air aus der dritten Orchestersuite. Dem Choral “Nun danket alle Gott” folgten zwei Strophen des bekanntesten Passionsliedes “O Haupt voll Blut und Wunden”. Das “Ave Maria” fehlte nicht, das womöglich mehr von Charles Gounod ist als von Bach selber.

“Jesus bleibet meine Freude” aus der Kantate Nr. 147 bietet sich an. Diese besonders eingängige und volkstümliche Melodie hat es schon vielen Musikern angetan. Ebenso das Choralvorspiel “Wachet auf, ruft uns die Stimme”, wo die lebendige Umrahmung die im Bass liegende Choralmelodie fast verdeckt. Das ist aber auf der Orgel nicht anders. Selbst die große d-Moll-Toccata setzten die Gäste geschickt um. Großer Beifall nach jedem Stück. Gegen Ende der ersten Hälfte gab es fast Ovationen.

Nach der Pause wurden natürlich völlig andere Seiten aufgezogen. Die Gruppe trat nicht kakelbunt oder in Hawaiihemden auf, sondern mit einheitlichem T-Shirt. Bei der Musik aus ihrer Heimat brauchten die Abgesandten des Renegades Steel Orchestra – in der Heimat treten sie oft in 100-Mann-Stärke auf – keinen Dirigenten. Die Musik sitzt im Blut, und bei den Stücken aus den Bereichen Calypso und Reggae hielt es die Zuhörer auch nicht immer auf den Sitzen.

Read more